Boccaccio 70

Originaltitel: Boccaccio ’70
Darsteller: Anita Ekberg, Sophia Loren, Romy Schneider
Regie: Vittorio De Sica, Frederico Fellini, Luchino Visconti
It 1962 / D 1962
Der Film wurde in Deutschland vom Europa Filmverleih herausgebracht und in Österreich von Rank Film

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Der Film ist eine Hommage an die Novellen des Renaissance-Dichters Giovanni Boccaccio, aber in die moderne Welt der 1960er Jahre versetzt. Das Besondere war das Konzept: Vier der größten italienischen Regisseure der Epoche drehten jeweils eine eigene Kurzgeschichte zum Thema Liebe, Moral und die Verlockungen des neuen Wirtschaftswunders. Die beteiligten Regisseure waren:

  • Federico Fellini (Die Versuchung des Dr. Antonio)
  • Luchino Visconti (Der Job)
  • Vittorio De Sica (Der Hauptgewinn)
  • Mario Monicelli (Renzo und Luciana)

Ursprünglich bestand der Film aus vier Episoden. Die Episode „Renzo und Luciana“ von Mario Monicelli, die von den Schwierigkeiten eines jungen, heimlich verheirateten Arbeiterpaares handelt, wurde jedoch vom Produzenten Carlo Ponti für den internationalen Vertrieb komplett herausgeschnitten. Er hielt sie für kommerziell nicht so schlagkräftig wie die anderen Teile mit ihren großen weiblichen Stars. Aus Solidarität mit Monicelli weigerten sich Fellini, Visconti und De Sica daraufhin, zur Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes 1962 zu erscheinen. Erst in späteren Restaurierungen und auf DVD/Blu-ray wurde der Film wieder in seiner ursprünglichen, vollständigen Fassung zugänglich gemacht.

Federico Fellinis Episode Die Versuchung des Dr. Antonio ist eine seiner typisch surrealen und bildgewaltigen Arbeiten. Ein verklemmter Sittenwächter (gespielt von Peppino De Filippo) wird von einem riesigen Werbeplakat gequält, das direkt gegenüber seinem Fenster aufgehängt wird. Darauf räkelt sich eine laszive Anita Ekberg, die für „mehr Milch“ wirbt. In seinen Fieberträumen erwacht die gigantische Ekberg zum Leben und verspottet ihn. Die Episode ist eine bissige Satire auf die aufkommende Werbekultur und die unterdrückte Sexualmoral im katholischen Italien. Fellini hatte kurz zuvor mit Ekberg in La Dolce Vita einen Welterfolg gefeiert.

Für viele war Romy Schneiders Auftritt in Luchino Viscontis Episode Der Job eine Offenbarung. Sie spielt eine reiche Gräfin, die herausfindet, dass ihr Mann sie mit Callgirls betrügt. Statt einer Szene zu machen, beschließt sie mit kühler Eleganz, von nun an für ihre „Dienste“ als Ehefrau ebenfalls bezahlt zu werden – wie eine Prostituierte. Visconti inszenierte sie hier als unnahbare, fast eisige Stilikone und half ihr damit, ihr Sissi-Image im internationalen Kino endgültig abzulegen. Die prachtvollen Kostüme für diese Episode wurden von Coco Chanel entworfen.

Die Episode Der Hauptgewinn (La Riffa) von Vittorio De Sica mit seiner Lieblingsschauspielerin Sophia Loren war die populärste und kommerziell erfolgreichste des Films. Loren spielt die Betreiberin einer Schießbude, die aus Geldnot eine Lotterie veranstaltet, bei der sie selbst der Hauptpreis für eine Nacht ist. Wie bereits erwähnt, war diese Episode so zugkräftig, dass der deutsche Verleih sie als Untertitel für den gesamten Film verwendete: Boccaccio 70 – Der Hauptgewinn.

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